Vor-Ort-Aktion in Bondorf:

Anbindung des Landkreises Calw an das S-Bahn-Netz der Region Stuttgart

Mit dem Calwer Landrat Helmut Riegger konnte die CDU-Regionalfraktion bei einer Vor-Ort-Aktion in Bondorf einen kompetenten Gast zu einem hochaktuellen Thema begrüßen. Unterstützt durch den Leiter der Abteilung „Nahverkehr und Strukturförderung“ im Landratsamt, Michael Stierle, wurden die Pläne für eine zukünftige S-Bahn-Anbindung des Landkreises Calw vorgestellt und erörtert.

Einleitend wurden von Rainer Ganske, stv. Fraktionsvorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher, die wesentlichen Grundzüge des S-Bahn-Systems in der Region Stuttgart dargestellt. Er ging dabei auch auf einen die Regionsgrenzen überschreitenden Nahverkehr ein: „Landkreis- und Regionsgrenzen bilden nicht die Lebenswirklichkeit der Menschen ab, sondern sind territoriale Einteilungen. Deswegen machen wir uns auch im besten Sinne der Europäischen Metropolregion Stuttgart Gedanken, wie wir den ÖPNV sinnvoll weiterentwickeln können, um dem weiter zunehmenden Mobilitätsbedürfnis der Menschen einerseits und dem Umweltschutz andererseits Rechnung zu tragen.“

Landrat Riegger erläuterte die wesentlichen Grundzüge einer S-Bahn-Anbindung des Landkreises, der mit ca. 160.000 Einwohnern zu den kleinsten des Landes Baden-Württemberg gehört. Mit täglich 26.000 Auspendlern in die Region Stuttgart und lediglich 10.000 Einpendlern gibt es einen klaren Bezug zum Ballungsraum der Landeshauptstadt. Zwei unterschiedliche Anbindungs-Varianten liegen den Planungen zugrunde. Die Strecke von Nagold nach Herrenberg, wo derzeit aber keine Trasse vorhanden ist, bezeichnete Riegger als „1b-Variante“, die aus Kostengründen derzeit nachrangig behandelt, aber im Fokus behalten werden müsse.

„Ganz andere Voraussetzungen bietet die Strecke von Calw nach Weil der Stadt“, so Riegger weiter. „Die vorhandenen Schienenwege müssen lediglich ertüchtigt werden, was zu einem sehr positiven Kosten-Nutzen-Faktor führt. Konservativ gerechnet gehen wir von knapp 3.000 Fahrgästen pro Tag aus. Wir würden uns gerne anschließen – zu unseren Kosten.“ Auf 23 Kilometern sind vier Haltepunkte vorgesehen, von Calw aus würde eine Fahrt bis Stuttgart Hauptbahnhof 58 Minuten dauern. Die Gesamtinvestitionssumme beläuft sich auf 80 Millionen Euro.

Schnell kristallisierte sich heraus, dass die größte Hürde auf dem Weg zur Realisierung der Anbindung nicht die technische Machbarkeit sein würde, sondern die Frage der Aufgabenträgerschaft. Rainer Ganske unterstrich, dass diese in jedem Falle beim Verband Region Stuttgart liegen müsse um einen einheitlichen Standard im ganzen S-Bahn-System zu gewährleisten: „Ich bin aber sehr optimistisch, dass eine gemeinsame Lösung gefunden werden wird.“

Das sah Landrat Riegger genauso: „Der Landkreis Calw ist damit einverstanden, die Aufgabenträgerschaft alleine beim Verband Region Stuttgart zu belassen. Diese Regelung macht sehr viel Sinn. Wir stehen derzeit gemeinsam in engen Gesprächen mit dem Land, das diese Angelegenheit aber noch etwas anders sieht, da dort die Meinung vertreten wird, dass derjenige der zahlt, auch Aufgabenträger sein muss.“

Helmut Noe, Regionalrat und Vorsitzender der Böblinger CDU-Kreistagsfraktion, forderte nachdrücklich eine S-Bahn-Anbindung zu forcieren: „Die CDU-Kreistagsfraktion steht aus voller Überzeugung zur Anbindung Calws, weil wir damit eine Großzahl von Auspendlern vom Auto auf die Schiene bringen und eine infrastrukturelle Verbesserung der Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft Böblingen/Calw erreichen können.“

Der Vorsitzende der Regionalfraktion, Dr. Joachim Pfeiffer MdB, fasste zum Schluss die Ergebnisse des knapp zweistündigen Treffens zusammen: „Der verkehrliche, wirtschaftliche und ökologische Nutzen einer S-Bahn-Anbindung von Calw ist absolut gegeben. Von einer Realisierung profitieren sowohl die beiden Landkreise Böblingen und Calw, als auch die Region Stuttgart insgesamt, weil wir Pendlerbeziehungen vereinfachen und aktiv unsere angesiedelten Wirtschaftbetriebe unterstützen können. Wir legen gleichwohl Wert darauf, unserem S-Bahn-System nicht Fußfesseln anzulegen, die an anderer Stelle hinderlich wären. Deshalb muss die Hoheit über die betriebliche Gestaltung des S-Bahn-Betriebes beim Verband Region Stuttgart liegen. Ich bin sehr froh über die klaren Aussagen des Calwer Landrats diesbezüglich, gemeinsam werden wir dies auch gegenüber dem Land so vertreten. Das Projekt bekommt durch diesen Termin viel Rückenwind.“

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